Durch die Prignitz auf der Tour Brandenburg

1. Mai 2016

Die Tour Brandenburg wirbt mit einer kuriosen Länge von 1111 Kilometern und damit, der längste Radfernweg innerhalb Deutschlands zu sein. Sie führt meist naturnah durch viele unterschiedliche Landschaftsformen und Regionen, die Prignitz im Nordwesten des Landes ist eine von ihnen.

Den Abschnitt von Wittenberge nach Lenzen teilt sie sich mit dem Elbe-Radweg, einem der bekanntesten deutschen Fernradwege. Dennoch: immer wieder ein wunderbares Naturerlebnis. Man hat auf vielen Abschnitten die Wahl zwischen einer Fahrt auf der unbefestigten Deichkrone mit wunderbaren Ausblicken und dem asphaltierten Wirtschaftsweg daneben. Weite Landschaft, manchmal Hügel bis ans Wasser, Idylle, so weit das Auge reicht.

Irgendwann Lenzen, eine winzige Kleinstadt. Zu DDR-Zeiten gefährlich nahe an der Westgrenze gelegen und auch heute wirkt sie eher abseits der Entwicklung. Viele schöne alte Fachwerkhäuser in der Innenstadt scheinen keinen zu haben, der sich um sie kümmert. Immerhin sammeln sich auf der Burg mittlerweile die Touristen…

Die Tour Brandenburg trennt sich hier vom Elbe-Radweg und führt nach Nordosten, zunächst sehr naturnah (was auch für die Beläge gilt) entlang einer eiszeitlichen Rinne, Rudower See (schöne Badestellen) und Rambower Moor liegen links im Tal. Während auf dem Elbe-Radweg viel unterwegs ist, hat man hier die Landschaft fas völlig für sich.

Wir verzichten darauf, am Ende des Rudower Sees links hinunter zu einer Gaststätte fahren (der kleine Umweg war uns lästig). Das war ein Fehler, denn in den folgenden Dörfern gibt es weit und breit nichts. Einsam geht es auf ruhigen Straßen durchs Land.

Erst in Perleberg empfängt uns wieder eine schöne alte Stadt mit entsprechender Infrastruktur.

Axel und Kai

Vehlgast, ein Denkmaldorf am Ende der Welt. Entlang an Elbe und Havel.

27. Dezember 2015 

Ende Dezember, fast 15 Grad und ordentlicher Westwind. Das wird am Ende für 75 Kilometer Radtour reichen. Startpunkt Bad Wilsnack, zunächst bei Seitenwind nach Süden. Bis Legde gibt es eine asphaltierten Wirtschaftsweg westlich der Straße, dann geht’s auf ruhiger Straße nach Quitzöbel.

DunQuitz
Binnendüne Quitzöbel

Sehenswert sind die dortigen Binnendünen, auch wenn sie nicht ganz Sahara-Niveau erreichen. Ein Stück weiter sichern zwei Wehrgruppen die Havel und den Kanal zur Elbe vor Hochwasser. Elbe-Radweg und Havel-Radweg führen darüber. Die südliche, die Wehrgruppe Neuwerben, ist bis Sommer 2016 wegen Bauarbeiten gesperrt. Wir testen, ob man dort wirklich nicht rüberkommt: nein, kommt man nicht.

Radfahrern ist deswegen dringend geraten, die ausgeschilderte Umfahrung auf der Straße über Nitzow östlich der Havel zu benutzen. Es geht derzeit nicht anders…

Havelberg kennen wir schon, diesmal wird nur kurz durchgefahren. Sehr schön ist die Weinbergstraße zwischen Havel und Dom mit kleinen alten Häuschen. Hinter Woplitz kommen wir in die Einsamkeit.. Weite Wiesen, viele Vögel, klare stille Luft an den Deichen der Havel.

VehlgastOrt
Dorfstraße in Vehlgast

Und dann Vehlgast.. unbeschreiblich. Ein Dorf am Ende einer Sackgasse am Fluss. Still, einsam, viele alte Häuser. Die Hälfte davon sind denkmalgeschützt. Eine unberührte, gottverlassene Idylle.

Für Radler ist es nicht ganz eine Sackgasse: am Deich kommt man weiter nach Osten. Erstmal entlang der Havel…

Vehlgast
Vehlgast

Vorbei an einem kleinen Vorwerk namens Wendisch Kirchhof, dann trennt sich die Havel von uns, und weiter geht’s entlang von Kanälen. Immer noch einsam, aber nicht mehr so idyllisch wie an der Havel.

Und trotz optimaler Temperaturen und guten Wind setzt der Winter doch noch ein Zeichen: die Tage sind nun mal kurz.  Die Sonne kommt vor Sieversdorf zu ihrem Untergang zum Vorschein, und in der Dämmerung erreichen wir Neustadt (Dosse).

Unser Buch über den Havel-Radweg ist erschienen

Ende April war es endlich so weit: unser Buch über den HavHavel-Radweg el-Radweg ist im Verlag grünes herz erschienen. Es hat 120 Seiten, und bietet eine gute Orientierung für eine Fahrt auf einem Radweg mit viel Geschichte und Kultur. Es ist für 9.95 Euro im Buchhandel oder beim ADFC Berlin erhältlich.

Wenn Sie es nicht finden, melden Sie sich bitte bei uns!

Axel von Blomberg, Kai-Uwe Thiessenhusen, Havel-Radweg, grünes herz, 2016, ISBN 978-3-86636-139-3

Rezension in der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 1. Juli 2016

Havel-Rezension in der MAZ vom 1.7.16.